Wenn der Hase im Pfeffer liegt…

Wenn der Hase im Pfeffer liegt …

…dann will einem ja irgendwie nicht so richtig einleuchten, was dieses putzige kleine Tierchen damit zu tun haben soll, dass man offenbar gerade ein ziemliches Problem hat?

Das nämlich hatte ich wohl leider gerade… Die vor mir ausgebreiteten Einzelteile, die irgendwann mal eine Waschmaschine gewesen waren, ließen jedenfalls nichts Gutes ahnen. Max, mein Retter in der Not, hatte sie offenbar vollständig auseinandergenommen. Darüber waren mittlerweile einige Stunden verstrichen, und ich wollte gerade schon meine Flossen strecken, als sie plötzlich doch noch kam, die erlösende Botschaft: „Bingo! Da also liegt der Hase im Pfeffer!“ hörte ich ihn stolz rufen, und ich atmete erleichtert auf, als er sich endlich zu mir drehte und mich freundlich, wenn auch wie immer etwas melancholisch anschaute: „Tut mir leid, Liebes, aber ich fürchte, die kannst Du verschrotten.“
War es das Unerwartete dieser Nachricht? Der Schock? Jedenfalls, anstatt zu überlegen, wo ich jetzt am besten sofort eine funktionierende Maschine herkriegen könnte, fing ich an, über besagte eher sinnfreie Fragen zu grübeln…

STREIFZÜGE DURCH STAUBIGE DEUTSCHE WÖRTERBÜCHER

Die Sache war skurril genug, um mich nicht mehr loszulassen. Also fing ich an zu recherchieren. Um es gleich vorwegzunehmen: Keiner der altehrwürdigen Sprachforscher kann eine wirklich einleuchtende Erklärung liefern. Dafür scheint diese Redensart offenbar etwas zu alt zu sein. Es gibt sie nämlich wohl schon seit dem Mittelalter. Aus dieser Zeit jedenfalls stammt ein spezielles Fleischgericht, auf das sich die Redensart laut Forschung beziehen soll: nämlich der sogenannte „Hasenpfeffer“. Es handelt sich dabei um „die mit einer gewürzbrühe und blut gekochten vordertheile des hasen: hasenpfeffer, lepus in jure nigro.“ So die beiden berühmten Märchenerzähler in ihrem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm von 1877. Ein Herr Johann Christoph Adelung klärt uns in seinem Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart von 1793 außerdem darüber auf, dass diese blutige Delikatesse später kurzerhand „Pfeffer“ genannt wurde.

Aha, wir kommen der Sache schon näher! Der Hase liegt also nicht etwa wie ein Fakir unbequem auf spitzen Pfefferkörnern, sondern er bzw. seine Pfoten sind weich in einer leckeren Pfefferbrühe gebettet. Was allerdings leider immer noch nicht erklärt, was das mit einem Problem zu tun haben soll. Ist der Pfeffer das Problem, weil er damals ja ziemlich schwer zu haben war und jetzt alle ist? Oder ist der Hase das Problem, weil jetzt mausetot? Oder etwas ganz anderes? Was sagen denn die Forscher dazu?

GEWISSE SCHWER AUFFINDBARE KNOTENPUNKTE IM HASENGULASCH…

Der schon genannte Herr Adelung erklärt die Bedeutung der Redensart so: „das ist der wahre Grund des Übels, daran liegt es, daran fehlt es.“ Hm. Was ist denn an einem Hasengericht übel? Und woran soll es denn fehlen? Das verschweigt uns unser Redensartenexperte leider.
Herr K. F. W. Wander ist da in seinem Deutschen Sprichwörterlexikon von 1867 schon ein bisschen konkreter: „Wie der Hase in den Pfeffer kommt, so wird er gefressen. Da ist die Schwierigkeit, daran hängt es.“ Soso, der nicht lebendige Zustand des Hasen ist also das Problem? Aber warum? Ist ein essbarer Hase etwa ein schlechterer Hase? Das allerdings würde immerhin schon mal ganz neuartige Erkenntnisse über unsere mittelalterlichen Zeitgenossen verschaffen: Es gab sie also schon damals, die Vegetarier und Tierschützer!
Das Berliner Fremdenblatt von1866 schließlich liefert eine Erklärung, die mir erst mal etwas an den Haaren herbeigezogen scheinen will: „In einigen Gegenden Norddeutschlands wird das Hasenklein mit vielem Gewürz und Pfeffer bereitet, es kommen dazu allerlei Zuthaten, sodass das eigentliche Klein (sowie im Fricassée das Hühnerfleisch) mitunter schwer zu finden ist. Wir nehmen nun an, dass sich daraus die Redensart: Da liegt der Hase im Pfeffer, gebildet hat für gewisse Knotenpunkte, die schwer aufzufinden oder zu lösen sind.“
Will also heißen, ein paar im Gulasch versteckte Hasenstückchen sind Sinnbild für ein unlösbares Problem? Das allerdings ist nun wirklich mehr als genial! Danke, Berliner Fremdenblatt! Und bitte verzeih, dass ich die Sprachforscher fast schon dahin schicken wollte, wo der Pfeffer wächst…

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