Langer Pfeffer - Der große Unbekannte

Ich mochte erst nicht recht glauben, dass langer Pfeffer tatsächlich zur Pfefferfamilie gehört – mit diesem Aussehen. Doch Tatsache ist: Er ist neben dem uns bekannten schwarzen, weißen und grünen Pfeffer sogar der einzige Pfeffer, der sich rechtmäßig mit diesem Namen schmücken darf. Denn auch er ist in der botanischen Bezeichnung ein Piper, genauer ein Piper retrofractum.

Das Aussehen

Die schlanke, grauschwarze Frucht ist zwischen 3 und 5 cm lang. Anders als man es vielleicht erwarten würde, wächst die Pfefferfrucht nicht hängend nach unten, sondern stolz und aufrecht stehend am dazugehörigen Pfefferblatt.

Die Herkunft

Erstaunlich ist der geringe Bekanntheitsgrad des langen Pfeffers in unseren Regionen, denn eigentlich ist er der älteste, den man in Europa kennt. Warum man ihn heute bei uns kaum noch kennt, mag an seinem eigenwilligen Aroma liegen, das nicht gerade jedem Geschmack entgegen kommt. Die Römer dagegen schätzen dieses Pfeffergewächs sehr. Sogar so sehr, dass sie bereit waren, das Dreifache des Preises für herkömmlichen schwarzen Pfeffer zu zahlen. Warum langer Pfeffer später fast ganz in Vergessenheit geriet, mag mit der Entdeckung Amerikas und damit mit der Entdeckung von Chili zu tun haben. Oder vielleicht auch mit der Tatsache, dass langer Pfeffer zu damaliger Zeit anfälliger für Verderben und Fäulnis während des Transports war, da er mehr Feuchtigkeit enthält.

Das Aroma

Anders als herkömmlicher schwarzer Pfeffer ist langer Pfeffer zugleich scharf und süß – ähnlich einer Mischung aus weißem Pfeffer, Muskat oder Kardamont. So gibt er Gerichten eine ganz besondere Note. Man kann langen Pfeffer an Stelle von schwarzem Pfeffer verwenden, oder auch zusätzlich. Er ist um einiges schärfer als schwarzer und weißer Pfeffer. Pur im Mund ist er äußerst scharf und hinterlässt einen kribbelnden und leicht betäubenden Nachgeschmack.

In der Küche

Ich liebe es, langen Pfeffer in süßen Desserts zu verwenden. Köstlich sind die gebrochenen Pfefferkätzchen zum Beispiel auf karamellisierter Ananas oder in einem Granatapfel-Pfeffer-Cocktail. Gut zu verwenden ist langer Pfeffer auch in Gewürzmischungen wie Ras el-Hanout oder Melange Noir. Pur harmoniert er – sparsam dosiert – sehr gut mit Jakobsmuscheln, Wild oder auch Lammbraten.
Indische Köche nutzen den langen Pfeffer, um köstliche rohe Gemüsepickles (Achar) zu würzen, während Indonesier und Malaysianer ihn in langsam kochenden würzigen Curries simmen. Sehr wichtig und unentbehrlich ist er außerdem für die ayurvedische Küche mit ihren verschiedenen Churnas.

Ein Tipp: Zerkleinern Sie langen Pfeffer am besten im Mörser. Versuchen Sie nie, ihn in der Pfeffermühle klein zu kriegen, denn er wehrt sich und stellt sich quer.